Kunst


 

Spurensuche: Karl Niestrath - Zwei Gesichter eines Bildhauers

kunstdialoghagenwest heft 10

 

ISBN 978-3-942184-16-8

 

9,80 Euro

 

 Buch bestellen

 

Erscheint Mitte 2017

 

Karl Niestrath, Gründungsmitglied des HAGENRINGS, gehörte als junger Bildhauer Anfang der 20er Jahre zu den großen Talenten der aufbrechenden Moderne. Erste Preise im Studium an der Dresdner Akademie, Förderung durch Museumsdirektoren in Bielefeld, Dresden und Hagen, zahlreiche Zeitungsberichte und Aufträge geben davon noch heute ein beredtes Zeugnis.

Thematisch und formal weisen seine frühen Arbeiten Bezüge zu Käthe Kollwitz, der er freundschaftlich verbunden war, auf. Gemeinsamkeiten zeigen sich in dieser Phase auch mit Ernst Barlach. Gemeinsam war allen drei Künstlern die Verfolgung durch die Gewaltherrschaft des Naziregime, die für Karel Niestrath den wohl entscheidenden Einschnitt in seiner
Karriere als Bildhauer bildete.

In den zwanziger und frühen dreißiger Jahren entstehen seine besten und ausdrucksstärksten Arbeiten, bis die Verfolgung als "entarteter Künstler" seinem Schaffen ein jähes Ende setzt. Niestrath ist eins mit ihnen, selbst Erlebtes wird verarbeitet, erzählt, Schicksalswerke ohne
Hoffnung und Perspektive. Seine Skulpturen und Plastiken sind in ihrer
Armut und Verzweiflung erschreckend real, oftmals schockierend traurig. Markantes Beispiel für diese Arbeiten ist seine Plastik "Die Hungrige" deren Schicksal sich 1937 in München in der Ausstellung zur "Entarteten Kunst" mit dem von Niestrath verband.

42 seiner Arbeiten werden aus deutschen Museen entfernt. Er selbst ist zur Untätigkeit verdammt, zum Abwarten gezwungen. Nach dem Ende des Krieges muss er festzustellen, dass seine Arbeiten, sein Stil nicht mehr gefragt ist. Die Moderne hat sich mit Künstler wie Archipenko, Max Ernst oder Henry Moore einer neuen Formsprache, neuen Themen zugewandt. Die jetzt vorherrschende moderne Plastik war und blieb ihm fremd.

Seit 1952 beschert ihm eine Lehrtätigkeit in Dortmund in der Nachfolge des Bildhauers Friedrich Bagdons zumindest ein geregeltes Einkommen. Anfang der 60er Jahre werden die körperlichen Beschwerden größer, seelische Probleme kommen hinzu.  Kurz vor seinem Tod g elingt ihm 1971 mit dem Bittermark Mahnmal 1971 in Dortmund, sein wohl bestes, sicherlich aber sein
bekanntestes Werk. Ergreifend versteht er es, das Leid der Verfolgten, Gefolterten und Ermordeten zu zeigen; dem Scherz und der Würde der Opfer stellt er die Täter als entmenschlichte Gestalten gegenüber, ein letztes großes Aufbäumen eines begnadeten Bildhauers. Ein Werk, das ahnen lässt, wozu Niestrath als Bildhauer befähigt war, was die Welt von ihm hätte erwarten können, wenn nicht der nationalsozialistische Terror den
Künstler und Menschen Niestrath zerstört hätte.

Die letzte Ausstellung mit Arbeiten von Karel Niestrath wurde 1971 kurz nach seinem Tod im Dortmunder Museum eröffnet. Danach wurde es ruhig um ihn. Heute ist Niestraths Werk und Leben fast vergessen, jungen Hagenern ist er weitgehend unbekannt. Vereinzelt trifft man im Hagener Stadtraum auf seine Werke. Am häufigsten finden sich Hauszeichen und Skulpturen
in Wohnsiedlungen, so z.B. in der .Franzstraße. Im öffentlichen Raum haben im Buscheypark die Reliefs "Die fünf Temperamente", die ursprünglich das historische, im Krieg weitgehend zerstörte Sparkassengebäude schmückten, eine neue, etwas versteckte Heimat gefunden. Weitere Beispiele seiner bildhauerischen Qualitäten, die von hohem Können zeugen, sind mit dem "Eisenarbeiter" in der Eingangshalle des Gewerkschaftshauses, oder mit
der Plastik "Mutter mit Kind" im Park hinter dem Gebäude der mark E anzutreffen.
Die Publikation stellt einen der wichtigsten Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ des 20. Jahrhunderts vor anhand von unveröffentlichten Fotos und Dokumenten.

 

36 Seiten

 

     
   
  zurück

 

AGB   I   Impressum   I   Kontakt